Neue Store-Konzepte gegen die Verödung der Innenstädte

Interview mit Karin Take, Projektleiterin Unternehmensservice & Standortentwicklung in Bremen

Im Sommer 2020 beschloss die Stadt Bremen ein Aktionsprogramm für die Innenstadt, um die Corona-Krise abzufedern. Auf der Agenda der Wirtschaftsförderung standen seitdem ein Concept Store und ein Pop-Up-Store Wettbewerb, die beide zu erfolgreichen Shop-Projekten führten. Wir sprachen mit der Projektleiterin Karin Take von der Wirtschaftsförderung Bremen über Leerstände, kreative Store-Konzepte und neue Hoffnung für die Innenstädte.

26.02.2021

Karin Take, Projektleiterin Unternehmensservice & Standortentwicklung WFB. - Quelle: WFB

Frau Take, Sie sind Projektleiterin bei der Wirtschaftsförderung Bremen. Die Stadt hat im Sommer ein Aktionsprogramm für die Innenstadt beschlossen, um die Folgen der Corona-Krise abzufedern. Was steckt hinter diesem Projekt?

Das Aktionsprogramm Innenstadt ist ja weiter gefasst als das, was wir als Wirtschaftsförderung an Projekten eingereicht haben. Es geht um Aufenthalt, es geht darum, die Zukunft zu bestreiten, die Zukunftsvielfalt in der Innenstadt weiter zu gewährleisten. Aufenthalt und Erlebnis spielen dabei eine große Rolle. Es greift viele Dinge auf, das ist Beleuchtung, das ist Marketing, das ist eine Bespielung von Leerständen wie bei unseren Pop-Up-Stores und Concept-Stores. Corona ist auch hier ein Brandbeschleuniger, ein Katalysator, was Leerstände angeht, dass wir da wieder eine Nutzungsvielfalt reinbekommen und die Leerstände auffangen. So ist das Aktionsprogramm relativ kurzfristig auf die Beine gestellt worden, um diesen Entwicklungen, die Corona mit sich bringt, einige Antworten zu bieten.

Gerade haben Sie einen Wettbewerb für einen Concept-Store in der Innenstadt erfolgreich beendet. Wie ist der Wettbewerb verlaufen? Haben die Bewerbungen Ihre Erwartungen erfüllt?

Ehrlich gesagt sind die Erwartungen übererfüllt worden! Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir so viele Teilnehmer:innen bekommen. 33 Teilnehmende haben sich an dem Wettbewerb beteiligt und es sind wirklich ganz tolle Konzepte eingereicht worden. Wir haben round about 15 Concept–Store-Konzepte eingereicht bekommen, von denen wir sagen „Wow, die sind wirklich gut“, und dann hatten wir eine Top-5-Liste. Wir sind wirklich begeistert, nicht nur von den Einreichungen, sondern auch davon, dass die Menschen sich in Bremen untereinander super vernetzt haben. Das haben wir bei den eingereichten Konzepten gemerkt, wir haben teilweise ja auch selbst als „Mittler“ fungiert, indem Leute bei uns angerufen haben und uns gesagt haben, wir haben jetzt kein wirkliches Concept-Store-Konzept, aber wir würden uns gerne beteiligen, so dass sich viele Akteure untereinander vernetzt haben. Die dann gemeinsam eingereicht haben oder die ihr Konzept noch einmal erweitert haben um weitere Bausteine. Das war wirklich spannend mitzuerleben.

Warum wurde ekofair als Gewinner ausgewählt?

Zum einen haben sie die Bewertungskriterien voll erfüllt und zum anderen ein ganz umfangreiches, ganzheitliches Konzept eingereicht, das sehr stimmig und überzeugend war. Sie haben sich zu allem viele Gedanken gemacht und viele Partner unter einen Hut gebracht.  Sie haben das Thema Nachhaltigkeit sehr gut ausgearbeitet, haben sich über die Kosten, die betriebswirtschaftliche Seite Gedanken gemacht und aufgeschrieben. Wirklich ein Rundum-Konzept, das sich von den anderen tollen Projekten noch einmal abgehoben hat. So war das für die Jury ein sehr eindeutiges Ergebnis. Wir mussten in der digitalen Sitzung nicht sehr viel diskutieren, auch wenn einige Konzepte teilweise unterschiedlich bewertet wurden. Wir merken das auch jetzt in der Betreuung des ekofair-Projektes, dass es sehr professionell angegangen und umgesetzt wird. Das ist ein Dreiergespann mit unterschiedlichen Schwerpunkten und kreativen wie kaufmännischen Hintergründen. Das hat uns bei der Zusammenarbeit noch einmal bestätigt, dass wir eine gute Entscheidung getroffen haben. Was nicht heißen soll, dass andere Konzepte nicht auch sehr gut in der Umsetzung gewesen wären. Wir betreuen das Vorhaben sehr eng und fungieren beispielsweise als Lotse in die Verwaltung, wir helfen dabei, Prozesse zu beschleunigen, die richtigen Ansprechpartner:innen im Boot zu haben, von der Gewerbeanmeldung bis zum Schild am Gebäude

Der Concept Store in der Bremer Innenstadt wurde jetzt vom Corona-Lockdown überrascht. Wann soll er dann genau eröffnen? Gab es auch noch andere Hürden vor der Eröffnung? Wie weit ist der Concept Store jetzt?

Das ekofair-Team ist bereits sehr weit. Sie haben mit unserem Digitallotsen Kassensysteme diskutiert und ihr optimales System gefunden, sie haben innerhalb von wenigen Tagen ihre GmbH & Co. KG gegründet, sie sind mit allen Lieferanten klar. Alle Kooperationspartner, die sie im Konzept genannt haben, sind jetzt auch wirklich dabei und weitere hinzugekommen. Sie wollten vor Weihnachten eröffnen aber Corona macht ihnen da einen Strich durch die Rechnung. Derzeit fahren alle auf Sicht, aber der Plan ist jetzt, zu öffnen, sobald die Bestimmungen es zulassen.

Als weitere Maßnahme ist ein Wettbewerb für Pop-Up-Stores umgesetzt worden. Gab es dafür wieder einen Wettbewerb? Welche Immobilien wurden dafür ausgewählt? Und wer hat gewonnen?

Wir haben wieder Immobilienbesitzer dazu aufgerufen, uns ihre Flächen für den Wettbewerb anzubieten. Drei Flächen wurden dann von einer Jury ausgewählt und für 50 Prozent der zuletzt vereinbarten Kaltmiete angemietet. Die Flächen, die wir dann für neue Ideen anbieten konnten, liegen in der Sögestraße 56 (ehemals Schuhhaus Meinecke), in der Knochenhauerstraße 18-19 (ehemals L’UOMO) und in der Obernstraße 22-24 (ehemals Görtz) – also alles in bester City-Lage. Dazu haben wir eine Landing Page eingerichtet mit einem Teilnahmebogen. Das war ein Ansinnen von uns, die Immobilienbranche zu begleiten bei diesem recht herausfordernden Prozess, weniger Mieter bei kürzeren Laufzeiten oder auch neue Nutzungen für die Flächen Wir merken auch, bei dem Concept-Store-Wettbewerb war die Reaktion noch verhaltener, mittlerweile ist das Interesse in der Branche groß und man beobachtet sehr genau, was hier in Bremen passiert. Gewonnen haben FAEX mit einem stetig wechselnden Angebot an Mode von Designern, die sonst nicht in Bremen zu finden sind, Hello Good Buy – ein skandinavisches Konzept, das Second-Hand neu denkt und nach Deutschland expandiert – und m:pura mit 3D-Lichtobjekten.

Glauben Sie, dass sich temporäre Shop-Konzepte auf jede Stadt übertragen lassen? Oder müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, damit ein Pop-Up-Store oder ein Concept-Store erfolgreich sein können, in Bezug auf die Einwohnerzahl, Lage o.ä.?

Ich denke schon, dass es sich übertragen lässt. Man muss auf den Ort schauen, wo der Store stattfinden soll, man muss bei den Bewertungskriterien vielleicht etwas anpassen, aber ich bin überzeugt, dass es sehr übertragbar ist auf andere Städte.

Die Shop-Konzepte der Wirtschaftsförderung wurden speziell für die Corona-Krise entworfen. Die Innenstädte leiden aber schon länger unter dem Ladensterben. Planen Sie Maßnahmen wie Pop-Up-Stores und Concept-Stores in der Wirtschaftsförderung auch nach der Pandemie beizubehalten?

Man muss natürlich erst einmal abwarten, was passiert. Ich glaube schon, dass es auch weiterhin, über 2021 hinaus, ein gutes Rezept für die Belebung der Innenstadt ist. Man muss genau schauen, wie ist die Situation, wie hoch ist die Leerstandsquote, wie entwickelt sich die Innenstadt? Ich hatte gestern ein Gespräch mit einem Immobilienbesitzer, die haben eine Nachvermietung in einer 1A-Lage in Bremen für Juni, wir haben auch ein Möbelhaus, welches Mitte nächsten Jahres in der City eröffnen will, es passiert also was auf dem Markt. Es wird schon justiert, auch bei den Rahmenbedingungen, aber meiner Meinung nach ist es auch für die Zukunft ein gutes Instrument, das wir aus der Tasche  ziehen können, wenn es vonnöten ist.

Corona ist hier auch eine Chance. Alle Akteurinnen und Akteure aus dem Aktionsprogramm Innenstadt arbeiten super zusammen. Es sind viele, mit verschiedensten Projekten, aber es wächst gerade sehr gut und sehr unkonventionell zusammen. Das ist wirklich beeindruckend. Wir sagen immer „Bremen, die Stadt der kurzen Wege“, aber wir erleben gerade einen Beschleuniger, der alles antreibt. Alle haben das große Ziel, gemeinschaftlich Dinge zu bewegen und das ist sehr schön. Wir als WFB haben das Glück, viel Fachexpertise unter einem Dach vereint zu haben. Das hat uns sehr geholfen und wird uns auch weiterhin gut begleiten. Und es macht sehr viel Spaß.

Frau Take, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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