Kampf gegen das Ladensterben in der Schweiz
Sind Pop-up-Stores die Lösung?
Leerstehende Ladenflächen führen zu leeren Innenstädten. Auch die Schweiz hat damit zu kämpfen und sucht nach einem Allheilmittel. Pop-up-Stores, sogenannte Läden auf Zeit, könnten helfen. Doch alleine können sie das Ladensterben nicht aufhalten beziehungsweiche ausgleichen.
Leer stehende Ladenflächen lösen Teufelskreis aus

Das Ladensterben greift um sich – auch in der Schweiz. Zwischen 2013 und 2017 ist die Zahl der Verkaufsstellen von 53.000 auf 50.000 zurückgegangen. Oftmals bleiben die geschlossenen Ladenflächen leer. Lediglich ein Fünftel der ausgeschriebenen Flächen wird wieder an Einzelhändler vermietet, so eine Erhebung der Credit Suisse.
Diese leerstehenden Ladenflächen führen zu einem Teufelskreis. Leere Läden locken logischerweise weniger Menschen an, was sich wiederum negativ auf die Kundenfrequenz der noch bestehenden Einzelhändler auswirkt. Umsatzeinbußen sind die Folge und somit weitere drohende Ladenschließungen.
Beliebtheit der Pop-up-Stores wächst
Helfen können flexible und innovative Verkaufs-Konzepte wie die Pop-up-Stores. Die zeitlich begrenzten und provisorischen Geschäfte hauchen leerstehend Ladenflächen wieder Leben ein. Vorwiegend findet man Pop-up-Stores in den besten Lagen, also in der Innenstadt, an Bahnhöfen oder in Shopping-Centern. Aber auch in Trendbezirken lassen sich die Läden auf Zeit immer öfters nieder.
Inserate für Pop-up-Flächen locken aber nicht nur mit besten Lagen, sondern auch mit Mietreduktionen oder Gutscheinen. Im ersten Halbjahr 2019 machten die flexiblen Verkaufsflächen 3,8 Prozent aller Inserate in der Schweiz aus. Der tatsächliche Anteil dürfte aber noch viel höher liegen. Der Grund: Oftmals werden Pop-up-Stores über spezifische Plattformen vermietet.
Das Pop-up-Konzept ist nur eine Teillösung für das Problem
Das Pop-up-Konzept kommt bei den Einzelhändlern aufgrund der flexibleren Mietkonditionen und Öffnungszeiten sehr gut an. Doch nicht nur der stationäre Einzelhandel findet Gefallen an dem flexiblen Ladenkonzept. Auch Online-Händler wie Brack.ch oder Zalando drängen immer mehr in die Pop-up-Welt – um präsenter zu sein, greifbarer.
Die Marke und das Produkt für den Kunden erlebbar machen und neue Geschäftsmodelle testen. Und das bei geringem Risiko. Da ist das, was Pop-up-Stores schaffen wollen. Und das kommt bei den Kunden gut an. Pop-up-Stores füllen leerstehende Flächen, mittlerweile sogar in Einkaufszentren. Eine Win-Win-Situation also für alle Beteiligte? Nicht ganz.
Pop-up-Stores sind ein perfektes Marketing-Instrument und optimal, um beispielsweise die Zeit zwischen zwei langfristigen Mietverträgen zu überbrücken. Aber ein Allheilmittel gegen das Ladensterben sind sie nicht. Zwar können Pop-up-Stores attraktive Standorte aufwerten, wenn auch nur kurzzeitig – Randbezirke profitieren von den Läden auf Zeit aber kaum bis gar nicht. Wenig belebte Gegenden bleiben weiterhin abgelegen. Ein einzelner Pop-up-Store wird daran auch nichts ändern. Kurzum: Das Pop-up-Konzept kann die brisante Lage im Einzelhandel kurzzeitig einbremsen, den Strukturwandel aber nicht aufhalten.